Das ideale Wiedergabegerät für Audio und Video im Wohnzimmer gibt es offensichtlich noch nicht - so lautete bisher zumindest unser Fazit. Während einige Geräte inzwischen den an Beliebtheit gewinnenden Xvid-Codec unterstützen, bieten nur die wenigsten auch einen Netzwerkanschluss, um beliebige Daten aus dem lokalen Netzwerk oder dem Internet zu streamen. Von der Wiedergabe anderer Video-Codecs wie MOV oder WMV ganz zu schweigen.
Die nach wie vor mächtigste Möglichkeit, Bild und Ton in die Hifi-Anlage einzuspeisen, ist die Verwendung eines vollwertigen PCs mit aktuellen Video-Codecs und Wiedergabesoftware - vorzugsweise sollte es ein Platz sparender Mini-PC sein. Doch ohne Monitor, Tastatur und einer Maus geht es meistens noch nicht.
Es gilt daher, einen Kompromiss zu finden: Möglichst viel Funktionalität bei gleichzeitig einfacher Handhabung und simpler Einbindung ins Heimkino- beziehungsweise Audiosystem zuhause.
Bereits im Februar berichteten wir über eine modifizierte Xbox, die dank eines geringen Hardwareeingriffs und zusätzlicher Software zum Multimedia-Center wird. Die Unterstützung für die dabei zum Einsatz gekommene Software namens Xbox Media Player (XBMP) haben die Autoren jedoch zugunsten einer völligen Neuentwicklung, das Xbox Media Center (XBMC), inzwischen eingestellt.
Was das mehrköpfige Entwicklerteam da entworfen hat, ist aller Ehren Wert, denn unsere Ansprüche an ein Multimedia-Center konnte das XBMC lässig erfüllen. Wären da nicht gewissen Schwierigkeiten, die auf die Lizenzpolitik von Microsoft zurückzuführen sind.
Software: Nur mit Microsofts Segen
Um Software für die Xbox zu kompilieren, benötigt man das Microsoft Software Development Kit for Xbox, kurz XDK. Die Sourcen werden mit Hilfe spezieller Xbox-Libraries unter Visual Studio .net kompiliert und passend signiert, um sie lediglich auf der Xbox ausführbar zu machen. Nur kommt leider nicht jeder Entwickler in den Genuss des XDKs. Anträge werden von Microsoft geprüft, um bei später voraussichtlich erzielbaren Gewinnen aus dem Verkauf der Software beteiligt zu sein.
Sofort entsteht eine berechtigte Frage: Wie wird aus dem Quellcode eine Xbox-Applikation, wenn die benötigten XDK-Bibliotheken nur ausgewählten Kreisen zur Verfügung steht? In aller Regel lässt sich nur der Quellcode frei herunterladen (z.B. als Projekt in sourceforge.net).
Zum Kompilieren bräuchte man neben Visual Studio .net jedoch das XDK 5778 oder neuer, da es bislang noch keine Xbox-tauglichen Nicht-Microsoft-Kompiler gibt. Haare raufend dürfte man bei Microsoft beobachten, dass das kein Hindernis zu sein scheint. Tatsächlich lässt sich das einsetzbare XBMC-Paket 1.0 Beta bei Bittorrent oder Emule in kurzer Zeit herunterladen.
Man muss den Ärger bei Microsoft aber verstehen: Nachdem die Xbox nach wie vor subventioniert über den Ladentisch geht und definitiv als Verlustgeschäft zu betrachten ist, können Gewinne nur durch den Verkauf passender Software (Spiele) erzielt werden. Ist der Compiler für jedermann frei erhältlich, so würden in kurzer Zeit hunderte Softwaretitel unter GPL (General Public License) kostenlos verfügbar werden - und Microsoft garantiert das Geschäft versalzen.
Hier müssen wir jedoch auch ein wenig Kritik an Microsoft üben, denn das Potenzial als Multimedia-Zentrale scheint in Redmont komplett übersehen worden zu sein. Das inzwischen gereifte Xbox Media Center hätte Microsoft zum Beispiel in Form einer "Xbox Home Theater Edition" zum höheren Preis mit passendem Lieferumfang gleich selbst vorlegen sollen - dann hätten sich die heutigen Probleme aufgrund der Wünsche ambitionierter Entwickler vermutlich kaum ergeben.
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