
Heim-Server-Software passt Multimedia-Daten auf Endgeräte an
Linux-basiertes Open-Source-Software-Projekt NMM auf der CeBIT 2004 zu sehen
Wer die Entwickler des am Lehrstuhl für Computergraphik der Universität des Saarlandes entwickelten Open-Source-Multimedia-Projekt "Netzwerk-Integrierte Multimedia Middleware" (NMM) kennen lernen will, hat dazu auf der CeBIT 2004 die Möglichkeit. NMM soll stationäre und mobile Multimedia-Geräte nicht nur vernetzen, sondern die Fähigkeiten der verschiedenen Geräte kombinieren und gemeinsam nutzbar machen. Darüber hinaus sollen beliebige Multimedia-Inhalte simultan auf unterschiedlichen angeschlossenen Geräten wiedergegeben werden können.
Die Software wird am Lehrstuhl für Computergraphik entwickelt. Durch den Komponenten-basierten Ansatz sollen sich verteilte Multimedia-Anwendungen einfach und komfortabel realisieren lassen. Einzelne Teile einer Anwendung lassen sich auf verschiedenen Geräten ausführen und so die Fähigkeiten aller im Netzwerk vorhandenen Geräte transparent nutzen, so dass vollkommen neue "virtuelle" Geräte entstehen.
Insgesamt besteht das System aus stationären Home Entertainment Systemen, genannt "Multimedia-Box", und mobilen Geräten, wie PDAs und Handys. Die Multimedia-Box basiert laut der Uni des Saarlandes auf einem Standard-PC in einem wohnzimmertauglichen Gehäuse, das an einen Fernseher angeschlossen wird und sich komplett mit einer Fernbedienung steuern lässt. Das PC-basierte und erweiterbare Home-Entertainment System dient als Videorekorder, DVD-, CD-, und MP3-Player.
Durch die Netzwerkfähigkeit der zugrundeliegenden NMM-Architektur bestehe zudem die Möglichkeit der nahtlosen Integration von mobilen Geräten. Dies ermögliche neue ortsabhängige Unterhaltungs-Dienste, wie etwa die nahtlose Übergabe der Medien-Wiedergabe von einem mobilen Endgerät auf ein stationäres System. So könnte z.B. Die Audio- oder Videowiedergabe vom PDA auf die besser klingende Stereoanlage bzw. den größeren Fernsehbildschirm umgelenkt werden. Umgekehrt kann ein drahtlos in ein Netzwerk eingebundenes mobiles Endgerät ohne eigenen TV-Tuner Fernsehprogramme empfangen.
Die nötige Konvertierung und Anpassung der Multimedia-Daten an die Möglichkeiten des mobilen Gerätes soll in diesem Fall transparent von im Netzwerk verfügbaren Rechnern erledigt werden. Darüber hinaus erlaubt die NMM-Architektur auch, dass mehrere Benutzer die gleichen Inhalte simultan auf verschiedenen Endgeräten konsumieren können - Fernsehprogramm sowie die digitale Video-, Bild- und Musik-Sammlung stehen so zeitgleich auf verschiedenen Geräten zur Verfügung.
Das NMM-Projekt wird von Motorola und aus Mitteln der Landesforschungsförderung des Saarlandes finanziell unterstützt. Die Software läuft unter dem freien Betriebsystem Linux und ist als Open Source auch selbst frei verfügbar. Näheres dazu zur Multimedia-Box und NMM findet sich unter www.networkmultimedia.org. Seit Dezember 2003 wird dort ständig erweiterter Quellcode veröffentlicht - auch eine Referenz-Plattform namens "Hermes" wurde bereits entwickelt.
Das System wird von seinen Entwicklern vom 18. bis 24. März auf der CeBIT 2004 am saarländischen Forschungsstand (Halle 11, Stand E 30) vorgestellt. Die NMM-Architektur dient auch als Grundlage für zwei weitere Projekte, die ebenfalls am saarländischen Forschungsstand gezeigt werden:
Das Linux-basierte VCORE-System erlaubt die Aufzeichnung von Präsentationen. Es nimmt hierbei nicht nur Audio- und Video-Datenströme des Vortragenden auf, sondern speichert auch die Bildschirmpräsentation mit zusätzlichen Annotationen, die über ein berührungssensitives Display eingegeben werden können. Mobile Dienste für die Breitbandnetze von morgen stellt das Projekt UMTS-Doit des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI GmbH vor. UMTS-doit ermöglicht z.B. mit einem UMTS-fähigen Endgerät per Videostream auf die TV-Aufzeichnungen des Heimnetzwerkes zuzugreifen.
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